Klimakrise in Romanform

Jens Liljestrand „Der Anfang von morgen“: Bedrückender Klimaroman

  • schließen

Klima als Romanstoff. Aktueller kann ein Roman kaum sein. Jens Liljestrand legt mit „Der Anfang von morgen“ einen bedrückenden Cli-Fi-Roman vor. Mein Buchtipp.

Hinweis an unsere Leser: Bei einem Kauf über die enthaltenen Links erhalten wir von Partnern eine Provision. Für Sie ändert sich dadurch nichts.

Der erste Roman des bekannten Kulturjournalisten Jens Liljestrand ist alles andere als eine leichte Lektüre. Nein, es sind nicht die über 500 Seiten Hardcover, sondern das Thema, mit dem er sich in dem Buch auseinandersetzt: unserem Klima. Dass wir Menschen an einem Scheidepunkt angekommen sind, dürfte vielen schon klargeworden sein. In seinem Roman erleben die Figuren ihr ganz persönliches Weltuntergangsszenario.

Jens Liljestrand „Der Anfang von morgen“: Über das Buch

Cover zum Klimaroman „Der Anfang von morgen“ von Jens Liljestrand

Das ganze Land stöhnt unter Hitze und Trockenheit. Da geraten Waldbrände außer Kontrolle, Dörfer werden evakuiert. Vier Menschen, verbunden durch das Schicksal, kämpfen plötzlich um ihre Zukunft: Didrik muss seine Familie vor den Feuern retten. Melissa kann sich nicht mehr im Internet verstecken. Andrés Wut wächst. Und Vilja erlebt zum ersten Mal, dass es auch auf sie ankommt. Hautnah ehrlich erzählt Jens Liljestrand eine fesselnde Geschichte zur drängenden Frage unserer Zeit: Können wir die Welt bewahren und zusammen weiterleben?

S. Fischer

Der Roman geht gleich in die Vollen. Kein Vorgeplänkel, kein langsames Aufbauen der Spannung. PR-Berater Didrik muss in Schweden aus dem Feriendomizil vor den immer größer werdenden Waldbränden mit seiner Familie flüchten. Seine Kinder und Frau kommen ihm nach und nach abhanden. Nur noch mit seinem kleinen Baby schafft er es nach Stockholm zurück, in die Übergangswohnung seiner Ex-Geliebten. Auch die weiteren drei Hauptfiguren des Romans, Melissa, André und Vilja, kommen nach und nach zu Wort und bilden das Gerüst des Klima-Romans. Spannend sind die vielen Übersetzer, die an dem Roman beteiligt waren. Sie geben ab dem zweiten Teil den einzelnen Figuren des Romans ihre ganz eigene Stimme.

Alle vier Figuren gehen anders mit den Bränden und daraus resultierenden Ereignissen um. Im Vordergrund stehen die ganz persönlichen Erfahrungen und Weltbilder, die jeder von uns kennt. Liljestrand schafft den Spagat durch die verschiedenen Altersgruppen der Figuren. Wie alles am Ende doch miteinander zusammenhängt und ob es eine gemeinsame Lösung gibt, bleibt offen.

2019 hat Liljestrand mit dem Roman begonnen. Die klimatischen Entwicklungen haben ihn mittlerweile eingeholt und machen den Roman darum noch eindringlicher. Was die Wissenschaft dazu sagt, wenn es mit der Klimaerwärmung so weitergeht, ist in dem Sachbuch „3 Grad mehr“ nachzulesen.

Jens Liljestrand „Der Anfang von morgen“: Mein Fazit

Eine Woche umfasst der Roman, in der vier unterschiedliche Menschen die Auswirkungen der Klimakrise erfahren und versuchen, es mit sich selbst auszumachen. Ob strategischer Denker oder Zweifler – die unterschiedlichsten Überlegungen der Figuren sind mir als Leser nicht fremd. Allen liegt die Hoffnung zugrunde, dass es nicht wirklich so schlimm kommt. Wir werden sehen.

Jens Liljestrand „Der Anfang von morgen“

Aus dem Schwedischen von Thorsten Alms, Karoline Hippe, Franziska Hüther, Stefanie Werner

2022 S. Fischer, ISBN-13 978-3-103-97190-3

Preis: Hardcover 24 €, E-Book 18,99 €, 544 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Jens Liljestrand

Jens Liljestrand ist ein bekannter schwedischer Kulturjournalist, Literaturkritiker und Autor. Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet. Sein erster Roman, „Der Anfang von morgen“, ist auch international auf überwältigende Resonanz gestoßen. Jens Liljestrand schreibt schon seit Jahren über den Klimawandel und die möglichen Folgen für uns Menschen. Die Idee, jetzt mit einem Roman in das Thema einzutauchen, entstand, als er seinen Kindern ein Korallenriff zeigen wollte, das inzwischen nicht mehr existierte. Die Arbeit an diesem Buch war für Liljestrand auch eine Möglichkeit, selbst aus der lähmenden Klima-Angst herauszukommen.

Rubriklistenbild: © S. Fischer