+
Ein Militärhubschrauber zieht eine riesige Taiwan-Fahne hinter sich her und fliegt vor den Feierlichkeiten des Nationalfeiertag am Hochhaus „Taipei 101“ vorbei.

Größte Militärmächte treffen aufeinander

China warnt USA: Amerikaner sollen heimlich taiwanesische Soldaten trainieren

Trainieren die USA heimlich taiwanesische Soldaten? Ein Medienbericht legt das jetzt nahe. Das könnte den schwelenden Konflikt zwischen China und den USA weiter anheizen.

Update vom 9. Oktober, 9.16 Uhr: Der chinesische Präsident Xi Jinping äußerte sich am Samstag konkret zum Konflikt zwischen Taiwan und China. Bei einer Feier anlässlich des 110. Jahrestages der Revolution von 1911, auf die sich sowohl Taiwan als auch China berufen, rief der Präsident Chinas erneut zu einer „friedlichen Wiedervereinigung“ auf. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Samstagmorgen. Eine Vereinigung mit „friedlichen Mitteln“ diene am besten den Interessen der „gesamten chinesischen Nation“. Er drohte, dass „jene, die ihr Erbe vergessen, ihr Vaterland verraten und versuchen, das Land zu spalten, ein böses Ende nehmen werden.“

„Die Landsleute auf beiden Seiten der Taiwanstraße sollten auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und sich zusammenschließen, um die völlige Wiedervereinigung und Erneuerung der chinesischen Nation zu erreichen“, so der Präsident weiter. Die USA erwähnte Xi Jinping nicht namentlich, sprach jedoch eine indirekte Warnung gegen deren Einmischung aus: „Die Taiwanfrage ist eine rein interne Angelegenheit Chinas.“

China warnt USA: Amerikaner sollen heimlich taiwanesische Soldaten trainieren

Erstmeldung vom 8. Oktober, 18.32 Uhr: Taipeh/New York City - Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und China waren zuletzt merklich abgekühlt, der Konflikt um Taiwan im Südchinesischen Meer schwelt. Nun könnte ein vom Wall Street Journal veröffentlichter Bericht die Spannungen weiter anheizen. Demzufolge soll die US-Armee seit über einem Jahr taiwanische Soldaten der Armee und Marine schulen. Das Wall Street Journal beruft sich bei seinen Angaben auf US-Regierungskreise.

Ministeriumssprecher: „Auf die aktuelle Bedrohung durch die Volksrepublik China ausgerichtet“

Schon vor einem Jahr war über die Ausbildung von Soldaten in Taiwan durch die US-amerikanische Armee berichtet worden, damals hatten sowohl Taiwan als auch die USA dementiert. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Lijian sagte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Peking, die USA sollten erkennen, wie heikel und gefährlich die Taiwanfrage sei.

Rund zwei Dutzend US-Spezialkräfte und „unterstützende Soldaten“ trainieren dem Bericht zufolge seit über einem Jahr kleinere Einheiten der taiwanischen Bodentruppen. Zudem sollen Marineinfanteristen mit lokalen Marinestreitkräften zusammenarbeiten. Das taiwanische Verteidigungsministerium kommentierte die Meldung zunächst nicht. Die USA wollten den Bericht weder bestätigen noch widerlegen, allerdings äußerte sich der Ministeriumssprecher John Supple dazu: „Unsere Unterstützung für und unsere Verteidigungsbeziehungen mit Taiwan bleiben auf die aktuelle Bedrohung durch die Volksrepublik China ausgerichtet.“

Taiwans Premier Su Tseng-chang sagte, seine Regierung wolle die „Souveränität des Landes schützen und arbeite dabei mit Ländern zusammen, die ähnliche Werte teilten.“ Zuletzt war es immer häufiger zu Machtdemonstrationen von China gekommen. Mehrfach traten chinesische Militärflugzeuge in den taiwanischen Luftraum ein, unter anderem auch atomwaffenfähige Xian H-6 Bomber. Am 2. Oktober kollidierte ein US-amerikanisches Atom-U-Boot im Südchinesischen Meer mit einem nicht näher bestimmten Gegenstand. Peking reagiert erzürnt und verlangte Aufklärung.

Konflikt um Taiwan: Worum geht es?

Innerhalb der nächsten sechs Jahre könnte es zu einem Krieg zwischen China und den USA um Taiwan kommen, schätzen Experten. Darunter etwa der Kommandeur des US-Pazifik-Kommandos, Philip Davidson. Doch worum geht es bei dem Konflikt? China sieht Taiwan als „abtrünnige Provinz“. Das kleine Land scheint der Welt zu zeigen, dass es möglich ist, eine chinesische Gesellschaft zu demokratisieren und dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Der chinesische Präsident Xi Jinping macht deutlich, dass Taiwan früher oder später wieder mit China vereinigt werden soll. Das sieht er als „historische Aufgabe“. „Wir schließen Gewaltanwendung nicht aus und behalten uns das Recht vor, alle nötigen Optionen zu nutzen“, macht Xi Jinping deutlich. Die USA hingegen sehen sich als Schutzmacht Taiwans. In der Vergangenheit hatten die USA Waffen an das Land geliefert. Peking hat die USA nun aufgefordert, alle Militärkontakte und Waffenlieferungen an Taiwan einzustellen. Sollte das nicht passieren warnte ein Sprecher vor „ernstem Schaden für die Beziehungen sowie den Frieden und die Stabilität.“

Die Amerikaner kreuzen mit Militärschiffen immer wieder die Straße von Taiwan, die Chinesen errichteten unter anderem auf den Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer Militäranlagen. Eine direkte Konfrontation würde einen Krieg zwischen den beiden größten Militärmächten der Welt bedeuten. Während die USA als schlagkräftigste Militärmacht weltweit gilt, ist die Volksrepublik China mit über zwei Millionen Soldaten zahlenmäßig überlegen.

Mehr zum Thema