Reuters Institute: „Digital News Report“ 2022

Die Zukunft des Journalismus: Prognosen für 2022

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2022: Die Zukunft des Journalismus
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Journalist*innen hatten in den vergangenen Jahren eine schwere Aufgabe: Sie mussten bei einer deprimierenden Nachrichtenlage und Fake-News-Vorwürfen das Vertrauen ihrer Leser*innen aufrechterhalten. Welche Auswirkungen das auf den Journalismus haben wird, prognostiziert das Reuters Institute in seinem „Digital News Report“.

Vielen Menschen ist in den letzten zwei Jahren die Lust vergangen, eine Zeitung aufzuschlagen. Zu deprimierend war die Nachrichtenlage mit Dauerthemen wie Pandemie und Klimawandel.

Gerade die Generation Z verzichtete zunehmend auf textlastige Beiträge und wanderte auf die Sozialen Medien ab. Andere, vor allem in den älteren Generationen, gingen gar in Telegram-Kanälen verloren und kündigten den klassischen Medien ihr Vertrauen auf.

Das ließ nicht nur die Print-Auflagen stärker sinken als zuvor, es stellte auch die Online-Medien vor eine harte Belastungsprobe.

Das Reuters Institute ist sich sicher: 2022 ist das Jahr, in dem wir durchatmen – um danach mit neuer Kraft zurückzukommen. Wie könnten die Medien in einem Jahr aussehen?

Gehemmte Experimentierfreude oder Eintritt ins Metaverse? So steht es um die Zukunft des Journalismus

Für den „Digital News Report“ befragte das Reuters Institute 246 Teilnehmer*innen mit höheren Positionen in Medienhäusern in 52 Ländern. Zehn Prozent der Befragten arbeiten in Deutschland. Aus den Antworten zog das Institut diese Resultate:

  • Vertrautes gewinnt: Vielen Menschen fehlt aktuell die Kraft und der Mut für große Experimente. Für Medienhäuser bedeutet das, dass sie vermehrt auf Altbewährtes setzen werden und lieber Bekanntes wiederholen, als neue Innovationen zu fördern.
  • Besonders hoch im Kurs stehen Produkte, die die Loyalität der Leser*innen steigern: Dazu gehören Podcasts, Audioformate oder E-Mail-Newsletter.
  • Diversität und Nachhaltigkeit werden immer wichtiger. Besonders die Gen Z legt großen Wert auf eine diverse Berichterstattung und einen nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten. Sie erwarten ein ehrliches Umdenken statt simples Greenwashing.
  • Dazu gehört auch ein Team von Reporter*innen mit unterschiedlichen Hintergründen. Gleichzeitig fehlt es vielen Medien an Expert*innen in Sachen Klimawandel.
  • Abonnements sind wichtiger als Werbeeinnahmen. Im letzten Jahr sind die Zahlen diesbezüglich bereits gestiegen, wenn in Deutschland auch eher geringfügig im Vergleich zum Vorjahr.
  • Gleichzeitig eröffnet diese Strategie neue Probleme: Weniger wohlhabende Menschen werden dadurch zunehmend von der Berichterstattung ausgeschlossen. 
  • Visuelle Medien werden immer wichtiger: Besonders die junge Zielgruppe möchte sich nicht mit langen Texten auseinandersetzen, sondern konsumiert lieber (Bewegt-)Bildmedien.
  • Daher müssen sich auch Journalist*innen vermehrt mit Kanälen wie YouTube, Instagram und Tiktok auseinandersetzen.
  • Krise überwindet Konkurrenz? In schwierigen Zeiten heißt es, zusammenzuhalten. Daher hält das Reuters Institute es für möglich, dass Medienhäuser in Zukunft stärker zusammenarbeiten werden. 

Kommen wir in diesem Jahr im Metaverse an? 

Es ist schwer vorherzusagen, wie sehr uns technologische Erneuerungen wie Künstliche Intelligenz und das Metaverse inklusive Virtual und Augmented Reality in einem Jahr beeinflussen werden. Vor allem, da es bisher nicht klar definiert ist, was das Metaverse überhaupt ist.

Ist es ein festes System? Oder gibt es mehrere davon? Journalist*innen begegnen dem Thema bisher skeptisch. Dennoch: Viele verwenden schon jetzt Robo-Journalismus.

Dieser schreibt vielleicht noch keine formvollendeten Texte, hilft aber dabei, große Datenmengen zu analysieren, Wahlberichte auf dem neuesten Stand zu halten, passende Illustrationen zu gestalten oder Audio-Versionen automatisch zu erstellen.

Der Journalismus nach der Krise

Wie stark sich der Journalismus in diesem Jahr tatsächlich wandeln wird, hängt damit zusammen, wie lange die Krise noch anhält und wie nachhaltig das Vertrauen bei bestimmten Personengruppen geschädigt ist.

Vielleicht ist jetzt der Wendepunkt für ein Umdenken in der Medienwelt, mit Fokus auf mehr Nachhaltigkeit und Inklusivität. Dazu gehört auch, mehr Frauen und People of Color eine Position unter den Top-Journalisten zu ermöglichen. Diesbezüglich sieht es für Deutschland nämlich bisher noch recht mau aus.