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Neu: china@IPPEN.MEDIA mit Journalistin Christiane Kühl

IPPEN.MEDIA & China

Christiane Kuehl blickt für IPPEN.MEDIA nach China (1)

Seit der Schulzeit interessiert sich Christiane Kühl für China. Über das riesige Land wird Christiane künftig für das IPPEN.MEDIA-Netzwerk berichten und die China-Berichterstattung im Netzwerk koordinieren. Wer die Frau ist, die in Hamburg, Hongkong und Berlin Chinesisch studiert und danach 20 Jahre in der Volksrepublik gelebt hat, erfahren wir im Gespräch.

Hallo Christiane, kannst Du dich bitte einmal vorstellen?

Hi, ich bin Christiane und kümmere mich seit Anfang 2021 für IPPEN.MEDIA um den Aufbau einer China-Berichterstattung. Bis zum Sommer 2020 habe ich 20 Jahre in China gelebt und als freie Korrespondentin gearbeitet.

Mein Mann und ich waren zusammen nach Uni und Volontariat nach Peking gezogen; unsere drei Jungs sind alle in China geboren. Jetzt wohnen wir auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern. Nach den vielen Jahren in der Megacity genieße ich jetzt die Natur, die frische Luft und die Nähe zur Ostsee.

Und verfolge die Ereignisse in und um China von hier aus. An China vermisse ich neben lieben Freundinnen und Freunden vor allem das köstliche Essen – das wir hier zuhause gerne nachkochen, wenn wir die Zutaten bekommen.

Frisch zu kochen, gemeinsam um den Tisch zu sitzen und verschiedene Gerichte miteinander zu teilen, ist ein zentrales Element der chinesischen Lebenswelt, das fanden wir immer großartig.

Wie heißt China auf Chinesisch und wie spricht man das im Deutschen aus?

中国 – in offizieller Umschrift: Zhongguo. Das spricht man in etwa Dschung-Guo aus, mit einem weichen sch, ähnlich wie beim französischen je (ich).  

Die beiden Zeichen bedeuten Land der Mitte – oder Reich der Mitte, wie es oft übersetzt wurde und bei uns in den Sprachgebrauch überging.

Du hast Chinesisch sogar studiert. Ist das nicht wahnsinnig schwierig?

Ja und nein. Die Zeichen sind schwierig und müssen ziemlich gepaukt und immer wieder wiederholt werden. Aber sie sind ja auch schön!

Am Anfang des Studiums mussten wir außerdem sechs Wochen ausschließlich im Sprachlabor lernen, um dort die Aussprache zu üben. Das fanden wir erst blöd, aber haben dann gemerkt, dass das wirklich wichtig ist – denn die Aussprache ist sehr fremd, aber nach den sechs Wochen hatten wir sie drauf.

Sehr anders ist auch die Satzstruktur; damit richtig umzugehen, fand ich recht schwierig. Dafür gibt es keine Grammatik im herkömmlichen Sinn, denn Zeichen lassen sich nicht konjugieren.

Es ist einfach: Ich essen, du essen, wir essen: 我吃,你吃,我们吃 Vergangenheit oder Zukunft, oder auch der Plural werden durch angehängte Extra-Zeichen ausgedrückt, das ist relativ unkompliziert. Quasi: Ich essen vorbei 我吃了。

Welchen Stellenwert nimmt Technologie in der chinesischen Gesellschaft und der damit einhergehende Fortschritt ein?

Die meisten Menschen in China sind sehr offen für neue Technologie und lieben alles, was ihr Leben bequemer macht. Es ist für sehr viele Menschen völlig normal, mit dem Smartphone alles vom Großeinkauf bis zur Teigtasche an der Garküche zu bezahlen.

Dafür gibt es mit Alipay und Wechat Wallet zwei verlässliche Apps, die jeweils hunderte Millionen Chinesen benutzen. Auch sonst kann man in China mit dem Smartphone fast alles machen – Telefon und Strom bezahlen, Zugtickets buchen, Restaurants reservieren und so weiter. Für alles gibt es Apps.

Auch bei der Unterhaltungselektronik, im Haushalt oder der Mobilität lieben die Chinesen es, sich mit der neuesten Technologie zu umgeben, und stellen sich sehr schnell auf Neues ein.

Bei Autos betonen Experten immer, wie wichtig es ist, dass sie mit den neuesten Vernetzungs-Technologien ausgestattet sind, damit die Fahrenden auch unterwegs immer online sein können, wenn sie es möchten.

Gerade bei den neuen Elektroautos, die ja die jüngeren Städter mit etwas Geld ansprechen, ist die modernste Technologie genauso wichtig wie die beste Antriebstechnologie oder Batteriereichweite.

Auf dem Land sind diese Dinge noch nicht ganz so bedeutend, aber auch in den Dörfern gibt es überall Handynetz und meist auch Breitband.

Stichwort Land und Stadt: gibt es da ein großes Gefälle in China?

Allerdings, es gibt ein großes Einkommensgefälle, vor allem zwischen den Küstenmetropolen des Ostens und den ländlichen Regionen Westchinas.

Zwar hat China Abermillionen Menschen aus der absoluten Armut befreit, doch es gibt dort noch immer Dörfer, in denen die meisten von wenig mehr als zwei Dollar pro Tag leben müssen, und wo selbst ein Kühlschrank nicht selbstverständlich ist.

Auch greift das Sozialsystem bisher auf dem Land nicht so wie in den Städten. Anfangs gab es nur in Städten eine Kranken- oder Arbeitslosenversicherung; inzwischen wird das System aber ausgebaut.

Da die mittlere Generation oft zum Arbeiten und Geld verdienen in die Städte geht, leben in vielen Dörfern nur die Alten und die Kinder. Denn den Migranten werden in den Städten viele Rechte verweigert, darunter das Recht auf kostenlosen Schulbesuch für ihre Kinder.

Damit soll die Verslumung verhindert werden – die Migranten sind in der Stadt wichtige Arbeitskräfte für Baustellen, Fabriken und Dienstleistungen willkommen, aber keine vollwertigen Bürger. Nur an Feiertagen wie dem Neujahrsfest versammeln sich alle zusammen in ihren Heimatdörfern – zum essen, reden und böllern.

Du schreibst Artikel zu China für das IPPEN.MEDIA-Netzwerk. Worin liegt bei deiner Arbeit der Schwerpunkt?

Wir wollen die Debatte verfolgen, die derzeit in der ganzen Welt über und mit China geführt wird. Die geopolitische Lage ist im Fluss, es verändert sich vieles – durch den Aufstieg Chinas, aber auch durch die globale Herausforderung des Klimawandels, die nur alle Staaten gemeinsam anpacken können.

China sucht seine neue Rolle in der Welt noch, ebenso wie Europa und die USA die richtige Strategie für den Umgang mit China suchen. China ist nach offizieller Lesart aufgrund seiner Regierungsform systemischer Rivale – aber auch wichtiger Kooperations-Partner etwa beim Klimaschutz und im Handel.

Was macht man aus dieser Situation? Wo kann man zusammenarbeiten? Wo muss Europa sich gegen China positionieren – Stichworte Xinjiang oder Indopazifik – und wie? Was will Europa eigentlich erreichen – in der Handelspolitik, bei globalen Technologie-Standards, in der Systemfrage?

Das sind die großen Fragen, die die Welt in den nächsten Jahren klären muss – und darauf schauen wir zusammen im Redaktionsnetzwerk von IPPEN.MEDIA. Das können aber auch mal kleinere Themen sein, etwa wie China es schaffen will, in der Zukunft mal die Fußball-WM auszurichten.

Oder welche Rolle Chinas Entwicklungsbanken entlang der Neuen Seidenstraße spielen. Letztlich ist in der aktuellen Lage alles spannend.

Wer schon jetzt mehr erfahren möchte, dem empfehlen wir die umfangreiche China-Themenseite auf merkur.de.